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Wucher?: Mensaessen ist teurer geworden – das steckt dahinter

Kurz vor den Ferien erreichte Euch und uns die Information, dass es eine Preiserhöhung des warmen Mittagessens in der Mensa geben wird. Da wir genauso wenig wussten wie Ihr, haben wir nachgehakt.
Um 30 Cent ist der Preis gestiegen.

Auf Anfrage beim Mensabetreiber Zwergenlunch GmbH antwortete man uns, dass steigende Kosten einen großen Faktor hierfür spielen würden. So sei nicht nur der Anstieg des Mindestlohns ein Beweggrund, sondern auch Ernteeinbußen durch Trockenheit sowie die Preiserhöhung des Stroms und Gas. Nach unseren Informationen haben auch die Stadtwerke Peine GmbH ihre Kosten um ca. 5% erhöht. Allerdings liegen sie damit eher im unteren Mittelfeld, in Bayern (Stadtwerke Windsbach) steigt der Strompreis beispielsweise um knapp 20% im neuen Jahr. Da Zwergenlunch GmbH ihren Unternehmenssitz jedoch in 38126 Braunschweig hat, sind sie von dieser drastischen Erhöhung nicht betroffen. Nicole Bäse, Ökotrophologin bei der Zwergenlunch GmbH, führt an, dass sie gutes Personal nur durch gutes Gehalt und Zusatzleitungen gewinnen können. Sie fährt fort und sichert zu: „Der Preis wird unternehmensseitig für 2 Schuljahre zugesichert, in dieser Zeit wird es keine weitere Erhöhung geben.“

Schule als Steigbügelhalter?

Interessant ist, dass das Gymnasium am Silberkamp gar keinen Einfluss auf die Preisgestaltung hat. Da Zwergenlunch GmbH ein externes Unternehmen ist, treffen sie allein wirtschaftliche Entscheidungen, die Schule hat dementsprechend kein Mitbestimmungsrecht.
Über die Preiserhöhung wurde allerdings nur ein geringer Rahmen im Voraus informiert. Laut Informationen, die uns vorliegen, habe im Frühjahr 2019 ein Gespräch stattgefunden, in welchem die Geschäftsführerin der Zwergenlunch GmbH, Frau Kreihe, diese Preiserhöhung mündlich ankündigte. Damals sei von Salat und Nudeln noch nicht die Rede gewesen.
Selbst die Lehrer*innen erfuhren dies erst durch die E-Mail von Frau Lütgering-Blech, welche sich um die Mensa gemeinsam mit Frau Troska schulseitig kümmert.

Ohne Knete keine Fete?

Nun ist es natürlich nicht auszuschließen, dass sich einige Schüler*innen sich den Betrag von 3,80€ (bei Bestellung im Voraus) oder 4,10€ (bei Bezahlung vor Ort) nicht leisten können. Hier weist Zwergenlunch GmbH auf das „Starke-Familien-Gesetz“ hin, welches durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zum 1. Juli 2019 beschlossen wurde. Das BMFSFJ informiert, dass die kompletten Kosten hierfür übernommen werden. Schaut man sich jedoch die Voraussetzungen hierfür an, wird deutlich, dass hier eigentlich nur Familien unterstützt werden, die ohnehin schon Sozialleistungen erhalten (Sozialhilfe, Arbeitslosengeld II, Sozialgeld, Wohngeld, Kinderzuschlag oder Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz). Natürlich ist es positiv, jene Familien zu unterstützen, diejenigen, die aber über der Grenze dafür sind, profitieren davon nicht direkt.
Seitens des Mensabetreibers wird kein reduzierter Preis angeboten.

Weiterhin fragten wir nach, ob auf sozial schwächere Mitschülerinnen eingegangen wird, indem erlaubt wird, Speisen von extern, zum Beispiel aus der Stadt, in der Mensa zu essen. Bäse erklärt, dass sie hierauf keinen Einfluss habe. Dementsprechend ist der Mensaverein, also Frau Troska bzw. Frau Lütgering-Blech, dafür zuständig.

Halt, stop!

Wegen des wirtschaftlichen Faktors habe Zwergenlunch GmbH Angst, dies zuzulassen. Man denkt, dass die Plätze in der Mensa nicht ausreichen würden. Wenn man jedoch einmal zu den Mittagspausenzeiten schaut, stellt man fest, dass die Mensa gar kein Problem mit Überfüllung zu haben scheint. Ob sich mehr Schüler*innen in die Mensa setzen würden, wenn sie ihre eigenen Speisen essen dürften, kann man so natürlich nicht wirklich sagen. Der soziale und loyale Faktor unserer Mitschüler*innen würde beim gemeinsamen Essen jedoch einen deutlichen Anklang finden, stellen wir fest.

Auch unsere Schule hat Sorge um die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens bei dem Verzehr von Speisen von Extern. Außerdem wird argumentiert, dass „unsere Schüler/innen ein ausgewogenes uns gesundes warmes Essen in der Mittagszeit zu sich nehmen“ sollen und Speisen über einen Bestellservice oder an Imbissen diesen Ansprüchen nicht entsprechen würden.

Qualität hat ihren Preis?

Man antwortete uns außerdem, dass es keine Qualitätssteigerung des Mittagessens gäbe, man sich jedoch auch nicht verschlechtern möchte. Wer beim Rausgehen aus der Mensa auch auf die Schilder achtet, wird ein neues Logo, das der DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.) gesehen haben. Die Menülinie 1 (also das Essen ganz oben auf dem Speiseplan auf Silberweb) ist nun DGE-zertifiziert (Qualitätsstandard für die Schulverpflegung). Bei dem Essen werden verschiedenste Kriterien für eine gesunde Ernährung erfüllt. Allerdings sei anzumerken, dass es auch noch eine PREMIUM-Zertifizierung gibt, die hier jedoch scheinbar nicht erfüllt wird oder zumindest nicht abgenommen wurde, da dieses Abzeichen nicht getragen wird. Das ganze Programm wird außerdem durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gefördert. 

Bäse sagt: „Eine Preiserhöhung von belegten Brötchen in den Pausen ist aktuell nicht angedacht“, sie kann uns das aber für die Zukunft nicht versprechen. Frau Lütgering-Blech bestätigt, dass der Mensaverein bei der Preisgestaltung für die Produkte des Pausenverkaufs ein Mitspracherecht habe.

Das weitere Angebot (z.B. Pizza oder Schnitzelbrötchen als „Snack des Tages“) bleibe bestehen, die Ökotrophologin Bäse weist darauf hin, dass man sich über Feedback freue. Solltet Ihr dies nicht direkt sagen wollen, besteht auch die Möglichkeit, der Schülervertretung eine Notiz zu hinterlassen oder den Mensabetreiber zu kontaktieren. Natürlich könnt Ihr uns auch über das Kontaktformular erreichen.

Frau Lütgering-Blech sagt uns: „Der Mensaverein sowie die Schulleitung bemühen sich kontinuierlich um eine Verbesserung des Mensaangebotes.“ Dies halten wir als Redaktion für einen guten Ansatz.

Gewinn und Verlust

Nun, uns liegen auch exklusive Informationen über den Gewinn des Unternehmens Zwergenlunch GmbH vor. Dieser ist im Jahr 2018 als höherer fünfstelliger Jahresfehlbetrag behaftet. Deshalb ist es schon einleuchtend, dass der Verpflegungsdienstleister die Erhöhung auch aus wirtschaftlichen Gründen vornimmt, besonders mit dem Hintergrund, dass allgemein die Ausgaben steigen, ist der Preisanstieg berechtigt – wenn auch bedauerlicherweise dadurch noch mehr Kosten für ein Mittagessen entstehen.

Da es jetzt für die nächsten zwei Jahre bei dem Preis auch bleibt, haben wir erstmal nichts weiter zu „befürchten“.

Fazit

Aufgrund der obigen Gründe halten wir als Redaktion die Preiserhöhung als eine Möglichkeit, um den steigenden Kosten gerecht zu werden.

Gerade mit den Preisen für das Mittagessen in Universitäten (ca. 1,50-2,80 Euro) verglichen, sind 3,80 Euro natürlich ganz schön teuer. Dies liegt primär aber daran, dass es einen verminderten Steuersatz von 7% auf das Kantinenessen in der Universität gibt, bei uns sind es halt die normalen 19%.

Vielleicht ist es ja möglich, die Mehrwertsteuer in der Schulmensa bei uns auch zu senken…?

Da haken wir mal nach 😉


Wir bedanken uns für die freundliche Unterstützung der Recherchearbeit bei:

  • Zwergenlunch GmbH (Nicole Bäse, Ökotrophologin)
  • Mensaverein des Gymnasiums am Silberkamp (Susanne Lütgering-Blech und Rita Troska, Vorstand)
  • NorthData GmbH (Frank Felix Debatin, Geschäftsführer)

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Niklas Krupka
http://www.niklas-krupka.de
Chefredakteur & Redaktionsleiter der unabhängigen Schülerzeitung "Silberkämper" am Gymnasium am Silberkamp in Peine.

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